Menschen mit Behinderungen und Kindern

Zum ersten Mal gibt es in Deutschland eine Generation von Menschen mit Behinderungen, die Eltern sind, und ihre Kinder selbst groß ziehen. Möglich wurde das auch durch das Betreuungsgesetz, dass die Sterilisation von behinderten Kindern seltener machte. Zudem gibt es zunehmend mehr Einrichtungen, die Eltern dabei helfen, ihre Kinder auch dann zu betreuen, wenn sie nicht vollständig für sich selbst sorgen können.

Da die meisten Behinderungen nicht vererbt werden, wachsen inzwischen viele Kinder ohne Handicap mit Eltern auf, die nicht jederzeit die vollständige Verantwortung übernehmen können. Die größten Schwierigkeiten bei der Betreuung der Kinder beginnen meistens im Schulalter. Viele Kinder sind dann ihren Eltern intellektuell überlegen. Auf diese Weise können Eltern mit geistigen Behinderungen häufig nicht bei Hausaufgaben helfen. Dieses Problem lässt sich allerdings leicht durch Nachhilfelehrer und eine regelmäßige Betreuung durch Jugendämter lösen.

In schwereren Fällen übernehmen die Kinder bereits früh die Verantwortung für Familie und Haushalt. Damit dies nicht passiert, muss die Betreuung häufiger und intensiver stattfinden. Inzwischen gibt es zunehmend Einrichtungen, die sich auf behinderte Eltern und ihre Kinder spezialisiert haben. Hier lernen die Eltern von Beginn an, wie sie ihre Kinder großziehen müssen und erhalten dabei mehr Hilfe als üblich. Ziel bei den meisten solchen Einrichtungen ist es, der Familie ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen. Demzufolge gelingt es auch einigen Eltern, mit ihrem Kind in betreute Wohnungen umzuziehen. Dabei sind vor allem Wohngemeinschaften mit anderen betreuten Familien oder das Familienwohnen in größeren Zusammenschlüssen beliebte Alternativen.

Im Gegensatz zu früher wachsen heute weniger Kinder von behinderten Eltern in einer Pflegefamilie auf. Möglich wird dies auch durch stationäre Betreuungsangebote. Wenn die elterliche Kompetenz nicht ausreicht, um ein beständiges Zusammenleben von Eltern und Kind zu ermöglichen, gibt es sogenannte „Kinderwohnungen“, die den Kontakt zwischen Eltern und Kind dennoch regelmäßig ermöglichen. Dass Kinder direkt nach der Geburt von ihren Eltern getrennt werden, geschieht jedoch immer seltener.

vor 7 Jahren

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